(1866–1920)
Der Name Heinrich Wagners ist heute nur noch wenigen geläufig, und seine Verdienste sind zumeist vergessen.
Als Sohn eines aus Gelterkinden stammenden Fabrikdirektors kam er am 19. Oktober 1866 in Lörrach zur Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums Lörrach, der Oberrealschule Basel und der Absolvierung einer einjährigen Werkstättenpraxis in Zürich trat er in die mechanisch-technische Abteilung des Eidg. Polytechnikums ein. Diese Schule verliess er 1888 mit dem Diplom.
Die damals interessant werdende Elektrizität zog auch Wagner an, und so sah man ihn zuerst bei der Zürcher Telefongesellschaft, die sich auch mit Starkstromproblemen zu befassen begann, bei Alioth in Basel sowie bei der Turbinenfabrik Bell & Co. in Kriens. Während einer etwas länger dauernden Auslandtätigkeit im Werk Cannstatt der Maschinenfabrik Esslingen, wo Elektromaterial fabriziert wurde, lernte er auch seine Lebensgefährtin kennen.
Als Professor Wyssling nach der Erstellung des Lettenwerks von der Leitung des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EKZ) zurücktrat, um sich dem Bau des Sihlwerks zu widmen, schlug er Heinrich Wagner, den er am Polytechnikum und in der Telefongesellschaft kennengelernt hatte, als seinen Nachfolger vor. Wagner trat sein Amt 1894 an. Das EWZ bediente zu jener Zeit 550 Abonnenten, denen es 250 000 kWh bei einer verfügbaren Leistung von 600 kW lieferte. Die einsetzende Entwicklung machte bald die Erschliessung neuer Energiequellen nötig. Waren bis dahin kleinere und mittlere Kraftwerke vorwiegend in der Nähe der Absatzgebiete entstanden, hatte man mit dem Löntschwerk erstmals abgelegenere Wasserkraft dienstbar gemacht. Wagner wagte es, die grosse Stadt Zürich aus dem 135 km entfernten Albulawerk über eine 50-kV-Doppelleitung zu versorgen. Um das dieser Lösung innewohnende Risiko zu verkleinern, schuf er in der Stadt ein Einphasennetz mit Momentanreserve, bei der Umformer aus grossen Akkumulatorenbatterien gespiesen werden konnten. Das System bewährte sich und blieb bis in die 1950er-Jahre erhalten. 1920 konnte dann das von Wagner projektierte und gebaute Heidseekraftwert in Betrieb genommen werden.
Wagner machte sich auch verdient als Promotor und Mitbegründer des Starkstrominspektorates, als Vorstandsmitglied und Präsident des SEV. Er verfocht auch als einer der Ersten den Gedanken der «eidgenössischen Sammelschiene».
Die Tätigkeit Wagners erschöpfte sich jedoch nicht im Fachlich-Technischen. Er diente seinem Land als Soldat, während des Ersten Weltkrieges als Artilleriechef der Südfront. Eine Riesenlast bedeutete die Übernahme des Postens des Chefs der industriellen Kriegswirtschaft, in welcher Eigenschaft er mit einem Stab von 500 Personen die Versorgung des Landes mit Strom, Kohle, Gas sowie allen nötigen Rohstoffen sicherzustellen hatte. Die Beschäftigung mit Versicherungsfragen der Elektrizitätswerke führte ihn schliesslich in den Verwaltungsrat der Unfall-Versicherungsgesellschaft Helvetia.