(1850–1923)
Grossvater Tobler war zu Anfang des 19. Jahrhunderts mit einem Fourgon voller Münzen als Geldwechsler an die grossen Messen und Märkte gefahren, gründete dann eine Bank und kam zu grossem Reichtum. Sein einziger Sohn Emil führte das Geschäft ebenso erfolgreich weiter. Von dessen beiden Söhnen starb der ältere mit 12 Jahren, und so ward der jüngere, am 22. Juni 1850 geborene Adolf dazu bestimmt, die Nachfolge anzutreten. Obwohl er sich schon als Gymnasiast für Physik interessierte, musste er an die merkantile Abteilung der Industrieschule übertreten. Es folgte ein Welschlandjahr in Lausanne, wo ihn Physikvorlesungen von Dufour vollends für dieses Fach begeisterten. Nach Zürich zurückgekehrt, erbat er sich vom Vater das Einverständnis zum Physikstudium. Der fehlende Mittelschulabschluss bereitete ihm dabei allerhand Schwierigkeiten. Er besuchte zunächst als Auditor Vorlesungen am Polytechnikum, ergänzte sein mathematisches Wissen und wandte sich dann auf Rat Röntgens nach Leipzig, wo er sich immatrikulieren konnte. An der Universität Zürich schloss er seine Studien ab und erlangte 1875 den Doktorgrad. Schon im folgenden Jahr habilitierte er sich an der Universität sowie am Polytechnikum. Er begann mit einer Vorlesung über angewandte Elektrizitätslehre. In der Folge behandelte er Telegrafie, Kabel, Kabellegung und Kabelmesstechnik, Präzisionsinstrumente, elektrische Messmethoden, elektrische Uhren. Auch des Signalwesens und der elektrischen Sicherungsanlagen der Bahnen nahm er sich an. 1889 wurde er Honorarprofessor und 1905 ordentlicher Professor für Schwachstromtechnik am Eidgenössischen Polytechnikum.
Tobler hatte sich zu Hause ein bestens ausgerüstetes Privatlaboratorium eingerichtet, in dem er genaueste Messungen vornehmen konnte und daher dort oft von andern Physikern Besuch erhielt. Er unternahm auch viele Auslandreisen, besichtigte die jeweilen neuesten Telegrafen- und Telefonämter sowie moderne Eisenbahnsicherungsanlagen. Neue Schaltungen probierte er in seinem Labor aus.
Im Militär setzte er seine Kenntnisse bei der Erstellung der umfangreichen Nachrichten- und Kommandoanlagen der damals im Bau befindlichen Gotthardbefestigung ein. Dieser Tätigkeit willen stieg er bis zum Oberstleutnant auf.
Prof. Tobler war ein überaus gütiger, liebenswürdiger und trotz seines Reichtums ausserordentlich bescheidener Mensch. Seine Gewissenhaftigkeit und Exaktheit waren weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt, und seine durch und durch vornehme Art warb ihm überall Freunde.
Neben unzähligen privaten Bittstellern bedachte er Krankenhäuser, Sanatorien, Blindenheime und die Kunstinstitute Zürichs immer wieder mit grossen Beiträgen. Eine hohe Summe stellte er für den Bau der Zentralbibliothek Zürich zur Verfügung und ermöglichte damit ihre Gründung.
Da die ETH keinen Nachfolger gefunden hatte, blieb er im Amt, bis ihn ein schweres und schmerzhaftes Leiden aufs Krankenlager zwang. Er starb am 3. Juli 1923.