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Oliver Joseph Lodge




(1851–1940)

Oliver Lodge, am 12. Juni 1851 in Penkhull (GB) geboren, hätte das väterliche Tonerdegeschäft übernehmen sollen. Nach dem Besuch der primitiven Dorfschule musste er bis zum 20. Altersjahr im Betrieb arbeiten. Eine Tante verschaffte ihm in dieser Zeit ab und zu Eintrittskarten zu Vorlesungen des grossen Experimentalphysikers Tyndall. Das weckte in dem aufgeweckten Jungen den Wunsch, selber zu studieren. Gegen den Willen des Vaters bereitete er sich darauf vor und bezog das Universitäts-College in London, wo er 1875 den Bachelor of Sciences und zwei Jahre später den Doctor of Sciences erlangte. Er erhielt sofort Lehrstellen, und 1881 wurde er als Professor für Physik und Mathematik ans Universitäts-College in Liverpool berufen. 1900 folgte er dem Ruf zum Rektor der neu gegründeten Universität Birmingham.

In seiner Londoner Zeit befasste er sich u.a. mit Elektrolyse und Messungen der Ionen-Geschwindigkeit. Bei Versuchen mit Elektrometern fielen ihm grosse Unterschiede im Verhalten an nebligen und trockenen Tagen auf. Zufällig beobachtete er, dass Nebel und Rauch beim Auftreten von Büschelentladungen niedergeschlagen wurden. Unter Ausnützung dieses Phänomens baute später der Amerikaner Cottrell elektrostatische Staubfilter.

Ebenfalls in London machte er Versuche mit Wellenlängsleitern und erfand 1889 eine Kohärer-Schaltung zum Nachweis von hertzschen Wellen. Im folgenden Jahr beschrieb er in der Zeitschrift «Nature» seine Leydner-Flaschen-Experimente, die grundlegend für das Messen und das Abstimmen von elektromagnetischen Wellen wurden.

Im August 1894 demonstrierte er in Oxford an einer Versammlung der British Association die Verwendung von hertzschen Wellen zur Übertragung von Morsesignalen, wobei diese auf einer Entfernung von 60 m mehrere Mauern zu durchdringen hatten. Er formulierte auch die Bedingungen, die an einen brauchbaren Oszillator hinsichtlich Dämpfung und Abstimmung zu stellen waren. Für diese Vorführung erhielt Lodge die Rumford-MedaiIle der Royal Society. Seine Formulierungen ermöglichten seinerzeit die Funkentelegrafie.

Lodge machte sich aber nichts aus Prioritäten. Er war in erster Linie ein hervorragender Dozent, der es verstand, die wissenschaftlichen Ursachen einfach und klar darzustellen. Er verfocht eifrig die Existenz des Äthers. Nach 1910 widmete er sich eingehend spiritistisch-mystischen Untersuchungen. Am 22. August 1940 starb er in Amesbury.

Einer seiner Mentoren schreibt von ihm, er sei grösser gewesen als sein Werk, ein überall gerne gesehener, bis ins Alter jugendlich gebliebener, zukunftsgläubiger Forscher und Lehrer, der alle durch seine angeborene Güte und Freundlichkeit gewann.

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