(1800–1895)
Dafür, dass der Name Jedlik praktisch unbekannt blieb, ist der grenzenlos bescheidene Benediktiner-Priester selber verantwortlich. Er nahm an, seine in Tat und Wahrheit bedeutenden Entdeckungen und Erfindungen seien nichts Besonderes, weshalb er nie etwas darüber veröffentlichte.
Jedlik kam am 11. Januar 1800 als Kind eines armen ungarischen Bauern in Szémö zur Welt. Um den intelligenten Jungen schulen zu können, bestimmten ihn seine Eltern für den geistlichen Beruf. Mit 17 Jahren trat er dem Orden bei, schloss 1822 seine Mathematik- und Physikstudien mit dem Doktorgrad ab und erhielt 1825 die Priesterweihe. Seiner Neigung entsprechend, betätigte er sich aber als Physiker; zuerst an Klosterschulen, bis er 1840 an die Universität von Pest berufen wurde, wo er bis 1877 wirkte.
Die Arbeiten von Oersted, Ampère und Faraday hatten den jungen Gelehrten so fasziniert, dass er sich ebenfalls mit der Elektrizität zu beschäftigen begann. 1828 schuf er einen «rotierenden elektromagnetischen Apparat», d.h. einen Motor, bei dem er bereits nicht Stahlmagnete, sondern Elektromagnete benützte. Erst drei Jahre später traten Dal Negro in Italien und Joseph Henry in den USA mit ihren «Motor-Modellen» auf den Plan, die als die ältesten gelten.
1861 erfand Jedlik den «Unipolar-Induktor». Das war eine ausgeklügelt gebaute Unipolarmaschine – die Gleichstrom erzeugte – und bei der bereits das elektrodynamische Prinzip zur Anwendung kam, mit dem Siemens im Januar 1867 die Fachwelt in Staunen versetzte.
Zwei Jahre später baute Jedlik einen Apparat, bei dem er eine grössere Zahl von Leidener-Flaschen in Parallelschaltung auflud, die Kondensatoren dann in Serie schaltete und so «kräftige Funken» erzeugen konnte. 1867 verwendete er röhrenförmige Kondensatoren, mit denen es ihm gelang, an der Wiener Weltausstellung von 1873 Funken von 90 cm Länge vorzuführen. Heute würden wir sagen, er habe einen Stossgenerator von 500 kV gebaut.
Die Ungarn verehren Jedlik als ihren grossen Entdecker und Erfinder, und seine Apparaturen werden an der Budapester Universität sorgfältig gehütet.
Als kurz vor seinem am 12. Dezember 1895 erfolgten Tod ein junger Kleriker ihn fragte, warum er sich der Physik und nicht der Theologie gewidmet habe, antwortete ihm Jedlik: «Ich lernte Gott viel besser kennen durch die Physik als Sie durch die Theologie.»