(1781–1840)
Als Sohn eines einfachen Soldaten kam Siméon Denis Poisson in Pithivier zur Welt. Er verlor früh seinen Vater; seine Mutter wollte, dass er Chirurg werde, doch wurde er bei jeder Operation ohnmächtig. Versehentlich kam er einmal in eine Mathematikvorlesung und begeisterte sich dafür so, dass er die Fakultät wechselte. Nach 2 Jahren Studium in grösster wirtschaftlicher Not bestand er 1798 das beste Examen an der Ecole polytechnique. Kein Geringerer als Laplace wurde zu seinem Protektor. Zunächst wurde er Stellvertreter des damals in Ägypten weilenden Fourier. Nach Abschluss seiner Studien bekleidete er bereits einen Professorenposten an der Ecole polytechnique der Sorbonne und am Collège de France.
Etwa 300 Veröffentlichungen zeugen von seiner vielseitigen, Mathematik, Geometrie, Mechanik, Optik, Elektrizität und Magnetismus umfassenden äusserst erfolgreichen Tätigkeit. Von seinen Arbeiten seien nur einige wenige genannt:
1808: Nachweis der Konstanz der Achsen im Planetarsystem.
1811: Abhandlung über Mechanik.
1812: Begründung der Potenzialtheorie (Poissonsche Differenzialgleichung, deren Lösung die Beziehung zwischen Potenzial und Raumladungsdichte gibt).
1826: Wellentheorie.
1831: Kapillartheorie und Wärmetheorie.
1838: Wahrscheinlichkeitstheorie.
In der Elastizitätstheorie führte er die (nach ihm benannte) Konstante ein, die das Verhältnis zwischen Querkontraktion und Längsdehnung angibt.
Unverständlich ist Poissons Widerstand gegen Neuerungen, die von andern vorgeschlagen wurden. So anerkannte er zum Beispiel Fresnels Versuche und die Wellentheorie des Lichts nicht an.
An Ehrungen fehlte es Poisson nicht; er war Mitglied des Institut de France; 1837 wurde er zum Pair de France (Baron) ernannt (eine Würde, die nur in der Zeit von 1815 bis 1848 verliehen wurde).
Poisson kümmerte sich nie um seine stets schwächliche Gesundheit. Am 25. April 1840 starb er in Sceaux bei Paris.