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Matthias Hipp




(1813–1893)

Das Observatorium in Neuenburg kann die über 140-jährige Existenz des «Zeitzeichens» feiern. 1863 war es auf Veranlassung Matthias Hipps eingeführt worden, natürlich ohne Radio, sondern per Telegraf. Hipp hatte drei Jahre vorher eine Telegrafenfabrik eröffnet, aus der im Jahre 1927 die heute noch bestehende Firma Favag entstand. Als diese 1960 das 100-jährige Bestehen des Unternehmens feiern konnte, widmete sie ihrem Gründer Matthias Hipp einen grossen Teil der Erinnerungsschrift. Dieser sowie Nummer 12 der Hefte «Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik» sind die folgenden Angaben entnommen.

Matthias Hipp wurde am 25. Oktober 1813 im etwa 15 km westlich von Ulm gelegenen Kaufbeuren geboren. Als 8-jähriger Knabe erlitt er einen Unfall, der ihn jahrelang ans Bett fesselte und der schliesslich eine Verkürzung des linken Beins zur Folge hatte. Statt in der öffentlichen Schule musste er von einem Privatlehrer unterrichtet werden. Diese erzwungene Einsamkeit brachte es mit sich, dass er viel las, wobei das Interesse vor allem dem Mechanischen galt. Seines Gebrechens wegen wählte er den Uhrmacherberuf. Nach der Lehre in seinem Geburtsort kam er 1832 nach Ulm, 1834 nach St. Gallen, im folgenden Jahr nach St. Aubin, wo er zwei Jahre blieb. 1837 kehrte er nach Kaufbeuren zurück und eröffnete 1840 in Reutlingen eine eigene Werkstatt. Hier konnte er nun seine eigenen Erfindungen und Ideen verwirklichen, so vor allem die schon 1834 ersonnene elektrische Uhr (1842). Am meisten fesselten ihn Probleme, bei denen mechanische und elektrische Fragen zu lösen waren. 1850 gelang ihm die Konstruktion eines Chronoskops und eines Chronografen, mit dem auf Tausendstelsekunden genau gemessen werden konnte. Ein Jahr später folgte dann ein Schreibtelegraf, bei dem Buchstaben in Klarschrift übertragen wurden.

Dieser Telegraf erlangte zwar keine grosse Verbreitung, hauptsächlich weil Hipp damals das nötige Geld fehlte. Aber seine Erfindung hatte ihm doch den Namen eines hervorragenden Konstrukteurs eingetragen. Als in der Schweiz der elektrische Telegraf als Bundesbetrieb eingerichtet werden sollte, wählte der Bundesrat den Württemberger im Frühling 1852 für den neu geschaffenen Posten des «Werkführers der Eidg. Telegraphenwerkstätte» in Bern. Hipp war in dieser Eigenschaft Leiter schweizerischen Telegrafenwesens, das eine überaus rasche und erfreuliche Entwicklung nahm. Er hatte sich ausbedungen, neben seinen amtlichen Funktionen seinen Erfindungen nachgehen zu dürfen.

1860 entschloss sich Hipp, seine Stelle aufzugeben und ein eigenes Unternehmen zu gründen. Bei diesem Entschluss werden Neid und Missgunst seiner Vorgesetzten im Zusammenhang mit seinen privaten Nebenbeschäftigungen eine nicht geringe Rolle gespielt haben.

«Hipp's Telegraphenfabrik» in Neuenburg, die neben elektrischen Uhren auch Signal- und Sicherungsvorrichtungen für den Bahnbetrieb herstellte, entwickelte sich gut.

1867/68 stellte Hipp einen elektrischen Motor her, wohl den ersten in der Schweiz. Auf den ersten Blick scheint er dem 1866 von Werner von Siemens geschaffenen zu gleichen. Doch bei näherem Zusehen zeigt sich, dass Hipp, ganz seinem Wesen entsprechend, eigene Wege gegangen ist. Ob er von der Arbeit Siemens' schon wusste, ist fraglich.

Eine seiner letzten Erfindungen war der 1889 herausgekommene registrierende Geschwindigkeitsmesser für Lokomotiven. Im geichen Jahr zog sich Hipp ins Privatleben zurück.

Hipp war ein vielseitiger Mann, der die Jungen faszinierte. Täuber (späterer Mitbegründer der Firma Trüb, Täuber & Co. in Zürich), Zellweger (Zellweger AG in Uster), Dr. Emil Blattner (der spätere Lehrer am Technikum Burgdorf), der Schwede L. M. Ericsson haben in jungen Jahren bei Hipp gearbeitet. Er pflegte auch viele Kontakte mit Physikern, Naturwissenschaftlern. Die Universität Zürich verlieh Hipp im Jahre 1875 den Ehrendoktor «aufgrund seiner grossen Verdienste um die elektrische Technik sowie besonders um die schweizerische Telegrafie». Diese für einen Autodidakten seltene Ehrung freute ihn ganz besonders.

Aber ihm waren Schicksalsschläge auch nicht erspart geblieben. Sein hochbegabter Sohn, der die Nachfolge in der Fabrik hätte übernehmen sollen, starb als Ingenieurstudent an Tuberkulose. Ein Schwiegersohn, ebenfalls Ingenieur, fiel beim Bau des Panamakanals dem gelben Fieber zum Opfer. Die Fabrik ging daher in andere Hände über und wurde zunächst unter der Firma Peyer und Favarger, später Favarger & Co. weitergeführt, bis sie 1927 in die noch heute bestehende FAVAG übergeführt wurde.

Matthias Hipp starb am 3. Mai 1893 in Zürich. Als Deutscher war er zur Eidg. Telegraphenwerkstätte gekommen. Noch als er seinen Rücktritt nahm, warfen ihm seine Neider diese Herkunft vor. Sie konnten damals noch nicht wissen, dass sein Urenkel ein hervorragender Bundesrat sein werde: Max Petitpierre.

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