(1627–1691)
So, wie es seinerzeit üblich war, musste auch Robert, der 7. Sohn und das 14. Kind des Grafen Richard Boyle von Cork, sehr früh Latein und Französisch lernen. Am 25. Januar 1627 im Schloss Lismore in Irland geboren, kam er mit 8 Jahren ans College in Eton. In Begleitung eines französischen Hauslehrers reiste er von 1638 bis 1644 auf dem Kontinent, wo er sich unter anderem in Florenz mit Galileis Theorien beschäftigte. Wieder in England, widmete er sich wissenschaftlichen Forschungen und galt im sogenannten «unsichtbaren College» bald als ein Prominenter.
Im Jahr 1654 kam er nach Oxford. Die Schriften Otto von Guerickes über die Luftpumpe veranlassten 1657 ihn und Robert Hooke, diese zu verbessern; das Ergebnis war die zwei Jahre später beschriebene «macchina Boyleana», eine doppelt wirkende Luftpumpe. Es folgten Experimente über die Eigenschaften der Luft, in deren Verlauf er 1662 als Erster erkannte, dass sich das Volumen eines Gases umgekehrt proportional mit dem Druck ändert. Unabhängig von ihm veröffentlichte der Franzose Mariotte 15 Jahre später den gleichen Zusammenhang, weshalb dieser heute als Boyle-Mariottsches Gesetz bezeichnet wird.
Boyles grosse Liebe galt der Chemie. Er vertrat die Ansicht, Materie bestehe aus unterschiedlich gearteten und ungleich grossen Korpuskeln, die sich in verschiedener Art gruppieren können. Er versuchte auch Metalle umzuwandeln und studierte die Verbrennung und die Vorgänge bei der Atmung.
Wichtiger waren aber Arbeiten physikalischer Art, so über die Bedeutung der Luft für die Schallübertragung, der spezifischen Gewichte des Quecksilbers, Brechungseigenschaften von Kristallen, Farbe, Hydrostatik. Er entdeckte auch die Kältewirkung der Mischungen aus Schnee und Salzen, stellte die Siedepunkterniedrigung im Vakuum fest und wies nach, dass die Anziehung zwischen einem geriebenen, elektrisch gewordenen Körper und dem angenäherten Körper eine gegenseitige ist. Ferner entdeckte er, dass die elektrischen Kräfte auch im Vakuum wirken.
1663 wurde das «unsichtbare College» mit Zustimmung König Charles II. in die «Royal Society» übergeführt und Boyle in der Gründungsurkunde zu ihrem Mitglied ernannt. 1880 hätte er Präsident dieser illustren Gesellschaft werden sollen, lehnte jedoch die Ehrung wegen seiner Bedenken gegen das Schwören ab. In seinen späteren Jahren interessierte sich Boyle auch für Theologie und lernte Hebräisch und Griechisch, um die Bibel im Originaltext lesen und übersetzen zu können. Seither lebte er – als Junggeselle – in London, wo er am 30. Dezember 1691 starb.