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René Thury




(1860–1938)

Der Schweizer René Thury wurde als elftes von 13 Kindern des Lehrers der Naturgeschichte, Jean Marc Thury, am 7. August 1860 in Plainpalais bei Genf geboren. Mit 14 Jahren kam er in die Lehre zur «Société pour la construction d'instruments de physique», wo er neben dem 12 Jahre ältern Emil Bürgin aus Basel nach Plänen von Theodor Turretini arbeitete. Als Bürgin die Firma verliess, wurde Thury sein Nachfolger. Schon ein Jahr später wurde der intelligente Bursche Professor Soret an der Universität Genf als Laboratoriumsmechaniker «geliehen». Soret benützte eine Bürginsche Dynamo, bei der er aber die Erregung nicht in Serieschaltung brauchen konnte, sondern mit Batterien spies. Thury missfiel diese Lösung, und er ersann insgeheim die Nebenschlusserregung, mit der die Batterien überflüssig wurden. 1879 baute er sich mit von einem Medizinstudenten geliehenem Geld ein Dampfdreirad, mit dem er auf Steigungen mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h fahren konnte.

Mit 20 Jahren wurde Thury nach Amerika zu Edison entsandt, um abzuklären, ob es sich lohnen würde, sich finanziell für die Erfindungen Edisons zu interessieren. Während die Experten die Frage verneinten, trat Thury für ein halbes Jahr bei Edison als Mitarbeiter ein und gewann dessen Freundschaft. Neben vielen Anregungen kam Thury aber auch zur Einsicht, dass Edisons Dynamomaschinen wesentlich verbessert werden könnten. Als «ouvrier-mécanicien» der SIP berechnete und baute er in Genf nach Lizenzen von Edison und Gramme Dynamos. Er brannte aber darauf, eigene Ideen verwirklichen zu können, und trat nach kurzer Tätigkeit bei Bürgin & Alioth als technischer Leiter bei A. de Meuron & H. Cuénod ein. Hier entfaltete er während nahezu 30 Jahren eine ausserordentlich fruchtbare Tätigkeit, bei der alle seine schöpferischen Fähigkeiten voll zur Geltung kamen. Seine Verdienste können aber nur richtig gewürdigt werden, wenn man bedenkt, dass Thury keine fachtechnische oder wissenschaftliche Bildung hatte geniessen können. Eine hohe Intelligenz, grosser Ideenreichtum, eine hervorragende Beobachtungsgabe waren neben extremer Bescheidenheit die Hauptzüge des überaus gütigen Menschen.

Von seinen zahlreichen Pionierleistungen können in dieser kurzen Biografie nur wenige genannt werden. Während die ersten Dynamos alle zweipolig gebaut waren, ging Thury 1882 zur sechspoligen Ausführung über, für die er 1884 an der Turiner Ausstellung die Goldmedaille erhielt. 1885 richtete er die erste Gleichstromübertragung der Schweiz ein (von der Taubenlochschlucht nach Bözingen wurden 30 kW mit 500 V übertragen; also noch ein Jahr vor der berühmt gewordenen, durch Brown für die MFO zwischen Kriegstetten und Solothurn errichteten Anlage). Nach verschiedenen Entwicklungen für elektrische Bahnen wandte er sich der Energieübertragung mit hochgespanntem Gleichstrom zu. Bei dem seinen Namen tragenden System arbeiteten die in Serie geschalteten Generatoren und Motoren mit variabler Spannung, aber konstantem Strom. Eine erste Anlage entstand schon 1893 bei Genua, 1897 folgte eine Übertragung mit 14000 V in La Chaux-de-Fonds, 1899 diejenige zwischen St-Maurice und Lausanne (22000 V, 3680 kW) und als Glanzstück schliesslich das berühmte System, bei dem anfänglich 5890 kW mit 57000 V, im Endausbau aber 14700 kW mit 100000 V bei einer Stromstärke von 150 A von Moutier nach Lyon übertragen wurden. Thury, der auch die Kommutation zu lösen verstand und als einer der Ersten Maschinen bis zu Spannungen von 25000 V baute, deren Kollektor keine Funken bildete, galt in der Fachwelt als «der König des Gleichstroms».

Ein anderes Gebiet, auf dem Thury bahnbrechend gewirkt hat, ist das Regulierproblem. Sein «régulateur à déclic» ist weitherum unter dem Namen «Thury-Regler» als Spitzenprodukt bekannt und beliebt geworden.

Nach seinem 1910 erfolgten Austritt aus der Industrie wirkte er als Berater. Eine seiner letzten Schöpfungen waren Hochfrequenz-Generatoren bis 40 kHz und für Leistungen bis 1000 kW für drahtlose Telegrafie-Sender in Frankreich.

Das Bild Thurys wäre unvollkommen, würde nicht noch erwähnt, dass dieser wahre Pionier neben seinen technischen und intellektuellen Leistungen fast alle Prototypen seiner Neuentwicklungen eigenhändig herstellte.

Er starb am 23. April 1938 in seiner Vaterstadt Genf, der er zeitlebens treu geblieben ist. Er hat für die Elektrotechnik ganz allgemein, namentlich aber für die schweizerische, Grosses geleistet.

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