(1858–1929)
Carl Auer immatrikulierte sich in Wien, zog aber bald nach Heidelberg, wo er sich unter Bunsen dem Studium der seltenen Erden widmete. 1882, nach der Promotion zum Doktor der Chemie, kehrte er nach Wien zurück. Im Laboratorium von Prof. Lieben entdeckte er zwei weitere Elemente der seltenen Erde, Neodym und Praseodym. Bei diesen Arbeiten untersuchte er auch den Einfluss der Elemente auf die Farbe und die Leuchtkraft der Gasflamme. Dabei entdeckte er 1882, dass Thorium in der Flamme des Bunsenbreiters hell aufleuchtet.
Ende der 1880er-Jahre bewirkte die aufkommende Kohlenfadenlampe von Edison einen spürbaren Konsumrückgang bei der Gasbeleuchtung mit den damals gebräuchlichen offenen Flachbrennern. Aber auch die für Aussenbeleuchtungen üblichen Bogenlampen sowie die Edison-Glühlampen stellten noch keine idealen Lösungen des Beleuchtungsproblems dar, diese ihrer bescheidenen Helligkeit, jene der hohen Bedienungskosten wegen. Auer versuchte deshalb, die Leuchterscheinung des Thoriums für die Gasindustrie nutzbar zu machen. 1892 gelang es ihm, ein lockeres, mit Thoriumnitrat getränktes Baumwollgewebe zu verbrennen. Zurück blieb ein Aschenskelett aus Thoriumoxid und etwas Cer: der «Auerstrumpf». Er konnte ihn erstmals in Kiel zeigen. Um ihn gebrauchsfähig zu machen, waren noch verschiedene Entwicklungen nötig, unter anderem musste er ihn durch Eintauchen in Kollodium transportfähig machen. In Wien und Berlin wurden Auergesellschaften gegründet, und dank dem Auerstrumpf war das für damalige Begriffe «tageslichtähnliche» Gasglühlicht dem elektrischen Licht wieder etwas überlegen und gewann an Boden.
Auer erkannte aber, dass das elektrische Licht mehr Zukunft habe, nicht zuletzt deshalb, weil die Gasflamme pro Stunde etwa 60 l CO2 erzeugt. Er untersuchte die Schwermetalle Platin, Iridium und Osmium und fand das Letztgenannte, das einen Schmelzpunkt von 2500 °C besitzt, am besten geeignet für einen Glühdraht. 1897, im gleichen Jahr, da Nernst seine komplizierte Lampe vorschlug, präsentierte Auer seine erste elektrische Osmium-Metallfadenlampe. Die AEG stellte von 1902 an nebeneinander die Nernst- und die Osmiumlampe her. Schon nach etwa 4 Jahren wurden beide Fabrikationen eingestellt. Die Tantal- und wenig später die Wolframdrahtlampen verdrängten die Auer'sche Osmiumlampe, der der Nachteil anhaftete, dass sie nur in vertikaler Stellung betrieben werden durfte. Auer fällt aber das Verdienst zu, die erste brauchbare elektrische Metalldrahtlampe geschaffen zu haben.
Die Gasstrümpfe wurden aber weiterhin in rauen Mengen hergestellt. Bei deren Fabrikation fiel viel Cer-haltiges Material an. Auer suchte nach Anwendungsmöglichkeiten dafür. Er beobachtete, dass Legierungen seltener Erden beim Reiben starke Funken erzeugen. Eine Mischung von Cer und Eisen erwies sich als besonders günstig; sie ist unter dem Namen Auermetall bekannt und findet für Feuerzeuge ausgedehnte Anwendung, werden doch von seiner Fabrik in Treibach jährlich etwa 500 Millionen Zündsteine abgesetzt.
1918 ging die elektrische Abteilung der Auergesellschaft an die neu gegründete Osramgesellschaft über (Osram ist ein Zusammenzug aus Osmium und Wolfram).
Carl Auer wurde am 1. September 1858 in Wien geboren. Sein Vater, gelernter Typograf, hatte unter anderem eine Schnellpresse erfunden und war zuletzt Direktor der Hof- und Staatsdruckerei. Carl Auer wurde 1901 von Kaiser Franz Joseph in den Freiherrenstand erhoben, den drei Söhne und eine Tochter erbten. Die Akademien von Wien, Berlin und Stockholm ernannten ihn zu ihrem Mitglied, und mehrere Hochschulen verliehen ihm die Würde des Ehrendoktors. Auer litt im Alter an einer an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit. Auf seinem Schloss Welsbach bei Treibach lebte er daher sehr zurückgezogen. Er starb dort am 4. August 1929.