(1848–1916)
Zeugen bester Qualität sind einige heute noch in Betrieb stehende Tramkontroller, auf denen der Name Alioth zu lesen ist. Sie können auf eine beinahe 60-jährige Lebenszeit zurückblicken.
Rudolf Alioth wurde am 5. Mai 1848 in Arlesheim als Fabrikantensohn geboren. Nach 3-jährigem Ingenieurstudium an der «Ecole Spéciale» der Universität Lausanne und einem kurzen Amerikaaufenthalt betätigte er sich in verschiedenen Fabriken, zuletzt im väterlichen Unternehmen. 1881 gründete er mit Emil Bürgin zusammen eine Fabrik elektrischer Einrichtungen. Man fabrizierte nach System Bürgin vor allem Dynamos für Bogenlampenanlagen. Drei Jahre später machte sich Alioth selbstständig. 1895 wandelte er seine Firma in eine Aktiengesellschaft um. Anfänglich wurde in der Fabrik ausschliesslich Gleichstrommaterial hergestellt, wozu aber, im Gegensatz zu heute, sämtliches Zubehör gehörte, wie Schalter, Messinstrumente, Beleuchtungskörper usw.
Die an den Landesausstellungen von 1883 (Zürich) und 1896 (Genf) gezeigten Maschinen festigten den Ruf des Unternehmens, das auch viel exportieren konnte. Alioth schuf eigene Konstruktionen für seine Dynamos. Während anderen Fabrikaten noch die Unfertigkeit physikalischer Versuchsapparate anhaftete, verstand es Alioth, seinen Maschinen und Apparaten den Stempel technischer Gereiftheit und sogar der Schönheit aufzudrücken. Mit dem Aufkommen des Wechsel- und Drehstromes wurden auch Drehstrommotoren sowie Einankerumformer gebaut. Daneben nahmen Lieferungen Traktionsmaterial, namentlich für Trambahnen, einen grossen Raum ein.
Der Rückgang der Konjunktur bereitete dem jungen, überaus rasch gewachsenen Unternehmen Schwierigkeiten, sodass 1910 der Betrieb an die AG Brown, Boveri & Cie. überging.
Rudolf Alioth war eine Künstlernatur. Er liebte auch die Musik und spielte selber Cello, Klavier und Orgel. Im Militär stieg er bis zum Geniechef eines Armeekorps auf. Sein Hauptverdienst in der Technik liegt in der Schaffung einer für die damalige Zeit leistungsfähigen Industrie und in der Entwicklung der pionierhaften elektrischen Maschinen und Apparate zu betriebssicheren Einrichtungen. Dafür verlieh ihm die Universität Lausanne den Ehrendoktor.