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Galileo Ferraris




(1847–1897)

Galileo Ferraris, einer der grossen Wechselstrompioniere, war ein ausnehmend klarer Kopf, der es verstand, Zusammenhänge zu erkennen und auch Kompliziertes einfach und deutlich zu beschreiben.

Er wurde am 30. Oktober 1847 in Livorno-Vercellese (zwischen Novarra und Turin, heisst jetzt Livorno-Ferraris) als Sohn eines Apothekers geboren. Mit 10 Jahren kam er zu einem Onkel nach Turin, um die dortigen Schulen besuchen zu können. Schon am Lyceum war ihm Physik das liebste Fach. Als 22-Jähriger bestand er an der Universität mit einer Arbeit über «Die mechanische Energieübertragung von Hirn» das Ingenieur-Examen und wurde sogleich Assistent am Lehrstuhl für technische Physik. Elektrizität und Magnetismus faszinierten ihn. Mit einer Dissertation «Über die mathematische Theorie der Fortbewegung der Elektrizität in homogenen festen Körpern» (1872) versetzte er seine Professoren in Erstaunen über sein profundes Wissen. Eine Arbeit über die hauptsächlichen Eigenschaften dioptrischer Instrumente erwies sich später als besonders fruchtbar.

1878 war er zum ausserordentlichen und im darauffolgenden Jahr zum ordentlichen Professor gewählt worden. Er hielt viele Vorträge, u.a. über elektrische Beleuchtung. Man wählte ihn zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften und als erster Nichtmilitär zum Professor an der Militärschule.

1881 und 1882 nahm er als Delegierter der italienischen Regierung an der internationalen Elektrizitätsausstellung und an der internationalen Elektrizitätskonferenz in Paris sowie im folgenden Jahr an der internationalen Ausstellung in Wien teil, wo seine Arbeiten ihrer Klarheit und seine Urteile ihrer Treffsicherheit wegen höchste Beachtung fanden.

1884 beherbergte Turin eine Elektrizitätsausstellung, an der bekanntlich Gaulard seine «Sekundär-Generatoren» und eine Wechselstromkraftübertragung zeigte. Ferraris hatte diese Werke als Preisrichter zu beurteilen. Er erkannte die grosse Bedeutung des Wechselstromes für die Energiefernübertragung. Bei der genauern Prüfung der Apparate stellte er fest, dass für die Berechnung der Leistung bei Wechselstrom der Cosinus der Phasenverschiebung zwischen Spannung und Strom berücksichtigt werden muss. Zweitens fand er 1885 aufgrund von Versuchen mit polarisiertem Licht aus Analogieüberlegungen heraus, dass zwei phasenverschobene Wechselströme gleicher Frequenz ein magnetisches Drehfeld erzeugen (später z.B. verwertet im Zähler und im Ferraris-Wattmeter). Diese wichtige Entdeckung konnte er aus Zeitmangel nicht sofort publizieren. 1888 griff er die Sache wieder auf. Er liess durch seinen Mechaniker das Modell des ersten Wechselstrommotors herstellen. Im Bericht Ferraris' über die Pariser Weltausstellung von 1889 wurden dann schon andere Motoren erwähnt, die auch auf dem Drehfeld beruhten (Tesla war unabhängig von ihm ebenfalls darauf gestossen).

Den Durchbruch des Wechselstromes und im Besondern des Drehstromes bewirkte dann die Frankfurter Ausstellung von 1891, bei der Ferraris ebenfalls im Preisgericht sehr aktiv mitmachte.

1893 hatte Ferraris noch das Vergnügen, an die Columbus-Weltausstellung in Chicago fahren zu können. In Italien wurde praktisch keine elektrische Anlage erstellt, ohne dass nicht Ferraris als Experte beigezogen worden wäre. Ende 1896 wurde er zum Senator ernannt. Wie alles, was er anpackte, nahm er auch diese Aufgabe ernst, aber seine Kräfte reichten nicht mehr aus. Anfang Februar brach er in einer Vorlesung zusammen, und am 7. Februar 1897 erlosch sein Leben.

Ferraris hatte sehr an seinen Eltern und Geschwistern gehangen. Eine eigene Familie zu gründen, war ihm nicht vergönnt, so sehr war er eingespannt. Die wenigen Stunden der Musse widmete er der Poesie und der Musik.

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