(1865–1922)
Grosse Erfindungen setzen neue Zielpunkte. Aber diese Ziele sind nur erreichbar, wenn die zuerst gebauten, physikalischen Apparaten gleichenden Einrichtungen in ausdauernder und mühsamer Arbeit zu robusten Maschinen und brauchbaren Geräten weiterentwickelt werden. Ausser elektrischen Generatoren und Motoren braucht man in der Elektrotechnik auch Schalter, Sicherungen, Relais und vieles andere mehr.
Gerade auf diesem Gebiet der Verbesserungen und Weiterentwicklungen hat Albert Aichele vieles geleistet. In 14-jähriger Arbeit entwickelte er bei Brown, Boveri die ersten stromabhängigen Primär- und Sekundärrelais, einen Gleichstrom-Schnellschalter, verbesserte die Ölschalter durch eine mechanische Dämpfung und indem er die gegen Schläge empfindliche Porzellanisolation durch Hartpapier ersetzte. Unter seinen vielen Patenten findet man ferner verbesserte Zugbeleuchtungsregler, einen Trenner mit Axialbewegung und den Webstuhlantrieb mit Wippe.
Aichele wurde am 13. Februar 1865 als Basler Bürger in Lörrach geboren. Seine Gymnasialzeit verbrachte er teils in Basel, teils in Lausanne. Dann ging er auf das Eidg. Polytechnikum in Zürich, wo ihn Prof. H. F. Weber für die Elektrotechnik begeisterte. Noch vor dem Abschluss seiner Studien trat er eine Stelle bei der Maschinenfabrik Oerlikon an, für die er kurze Zeit in Südamerika arbeitete. Als C.E.L. Brown und W. Boveri 1891 in Baden ihre eigene Firma gründeten, ging Aichele ebenfalls nach Baden. Dort leitete er, anfänglich zusammen mit Dr. Sulzberger, dann von 1902 an allein, das Versuchslokal. 1909 wurde er zum Direktor befördert, in welcher Eigenschaft er als Erfinder und Konstrukteur eine besonders fruchtbare Tätigkeit entwickelte.
Als junger Mann war Aichele ein ebenso begeisterter wie erfolgreicher Hochradfahrer gewesen und hatte sogar an verschiedenen internationalen Hochradrennen teilgenommen. Später interessierte ihn das Auto. In Basel war er der erste Automobilist.
Aichele war ein sehr ideenreicher Kopf, verfügte über ein sicheres technisches Urteil und getraute sich auch neue Wege einzuschlagen. Seine rastlose Tätigkeit verbrauchte aber seine Kräfte vorzeitig. Erst 57-jährig wurde er am 17. November 1922 seiner Familie und der Unternehmung durch ein Herzleiden entrissen.